Literature

Also, I am a fiction writer.

Before and during my philosophy program, I worked as a fiction writer — and I still return to this wonderful craft from time to time. I studied Literary Writing at the University of Leipzig and worked with the wonderful poet and literary scholar Michael Lentz. During and after that time, I produced plenty of short stories, poems, and plays, some of which were published. I wrote essays about the works of Samuel Beckett, Elfriede Jelinek, Bret Easton Ellis, Helge Schneider, and many other writers. I worked for the city magazine Kreuzer as a columnist for two years, and moderated and organized the reading stage ‘Komm.Dichter’ from 2010 to 2024.

Philosophy and literary writing have some things in common: both try to make us aware of what seems close and familiar, yet turns out, on closer look, to be mysterious and hard to grasp. But they are also very different. Literary writing primarily says what it wants to say between the lines; philosophy, in turn, tries to get straight to the point.

Robert Reimer reading fiction aloud at a microphone.

Short stories

2014

“Nach Hause.” Short story. In: Am Erker.

Read the opening

Ich bin krank. Mutter hält mir die Hand an die Stirn. Dann steckt sie mir das Thermometer unter die Achseln. „30 Sekunden halten.“ Das Thermometer ist kalt. Sie zieht es wieder heraus. „36,5 Grad.“, sagt sie.

Mutter sagt mir, sie hat keine Zeit für Krankheiten. Sie legt das Thermometer in das Schubfach, in dem auch die Nagelschere liegt. Dann dreht sie den Wasserhahn auf und lässt den Plastikfisch in die Wanne fallen. In den Fisch ist auch eine Thermometersäule eingebaut.

Ich setze mich auf die Toilettenschüssel und ziehe mich aus. Mutter wartet. Sie entdeckt einen Fleck auf meinem Bein, den sie wegkratzt. Der Fleck ist Schorf von einer Wunde.

Als ich ausgezogen bin, bekomme ich eine Gänsehaut. Das Wasser dampft. Mutter liest vom Fisch ab. „Dann geh mal rein!“, sagt sie. Ich stehe in der Wanne und zögere, mich hinzuknien. Die Gänsehaut verschwindet. Mutter greift in das heiße Wasser und befeuchtet meine Waden. „Wenn du dich hinsetzt, gewöhnst du dich schneller dran“, sagt sie.

Mutter sieht zu, wie ich mir erst die Haare wasche und dann die Zehennägel mit der Bürste reinige. Sie gibt Öl in die Wanne, das in der Nase beißt. Nach dem Baden bekomme ich warme Socken für das Bett. Ich wache auf in der Nacht, weil ich geschwitzt habe. Auf dem Laken ist ein riesiger Fleck. Der Mund ich trocken und die Nase zu. Ich hoffe, dass ich noch mehr schwitzen muss, damit die Krankheit verschwindet. Auf das Laken lege ich Handtücher. Trotzdem kommt der kalte Schweiß durch und ich fange an zu zittern.

2012

“Denis.” Short story. In: Trashpool.

Read the opening

Ich stelle meinen Koffer ab.

Mein Zimmer ist umgeräumt. Das Bett ist verschwunden. Anstelle des Bettes steht ein Schreibtisch. Anstelle des Schrankes steht eine Staffelei. In der Nische zwischen Wand und Tisch lehnen Bilder von Vater.

Mutter zeigt mir das neue Zimmer. Das neue Zimmer ist das alte Atelier.

„Als dein Vater umgezogen ist, dachten wir ja nicht, dass du so schnell wiederkommst.“ Meine Mutter steht hinter mir und legt mir die Hände auf die Schultern.

An der Decke hängt noch immer die Glühbirne ohne Lampenschirm. Es gibt ein Sofa, das man ausklappen kann. Ein Schrank steht heben dem Fenster. Ein Tisch und ein Stuhl.

„Du kennst ja deinen Vater. Der hat sich so gefreut endlich einen größeren Hobbyraum zu bekommen.“

Vater öffnet die Tür. Er war nicht mitgekommen um mich abzuholen. Er gibt mir die Hand.

„Tut gut dich wiederzusehen.“

Er hängt seinen Hut an den Hutständer, geht in das neue Atelier und macht die Tür zu.

Ich lege die Socken in das Fach. Ich hänge die Hemden an die Kleiderbügel.

Die Entlassungspapiere lege ich auf den Tisch.

2012

“Streuner.” Short story. In: Tippgemeinschaft.

2012

“Umwege.” Short story. In: Druckstellen.

Read the opening

Ich hielt den Kopf gesenkt und zog die Tüte etwas nach vorn, um die Füße trocken zu halten. Die Beine waren angewinkelt und dicht an den Körper gezogen. In dieser Position besaß ich die geringste Angriffsfläche, das hatte ich schon ausprobiert. Schneidersitz war nicht gut – die Knie ragten zu weit nach außen, sodass sie nass werden konnten. Hinknien war auch nicht gut – dann sickerte das Wasser in die Hosenbeine. Ich hielt eine Hand im Nacken, um mich zu vergewissern, dass die Tüte noch immer genug Haut abdeckte. Ich hatte mich unter einer Dachrinne an die Wand gelehnt, doch der Regen fiel nicht senkrecht nach unten – der Wind peitschte ihn gegen die Wand, sodass sich Rinnsale bildeten. Die Schuhe, die ich trug, waren zwar dick aber nicht dicht, deswegen hatte ich eine kleine Tüte über die Socken gezogen.

Seit ich auf der Straße lebe sind Tüten das wichtigste für mich. Nichts von dem, was ich trug konnte Wasser abhalten. Nur die Einkaufstüten und die Gefrierbeutel und die blauen Müllsäcke konnten das. Die Müllsäcke waren zugleich auch die Schlafsäcke. In wiederverschließbaren Tüten konnte ich etwas Essen verstecken und aufbewahren. Stoffbeutel brachten nicht viel; es gab sie auch nicht oft. Stoffbeutel konnte man zerreißen und um die Ohren binden, wenn es kalt wurde. Man konnte sie auch um die Schuhe binden, um nicht auszurutschen, wenn das Eis die Straßen bedeckt hatte.

2011

“Leuchtendes Korall.” Short story. In: Tippgemeinschaft.

2008

“Titanic.” Short story. In: Kurzgeschichten.

Poems

2013

“Gedichte.” [Poems.] In: Tippgemeinschaft.

Read an excerpt
I Splitter Wie merkwürdig dies Subkutane: ein Tunnel in der Haut, tiefe Fleischbohrung Nimm die Pinzette vom Herd – die schwarze Spitze wühlt nach dem Splitter. Insektenhaft ist dieser schon auf dem Marsch durchs Gewebe zum Herzen. Ach, dieser verletzliche Muskel schlummert im Rippenbunker Du musst schweigen für die Gesundheit. Reinigend ist, so sagt man, was tief in die Poren geht, und darüber hinaus Wenn die Mutter das Natur-Projektil herauszieht und die Wunde heilküssen will, merkwürdig wie schnell so ein Leben zu Ende gehen so ein Herz – ein dünner Ballon.

Column

05/2013–01/2014

Kneipenreport. Monthly column. In: Kreuzer.

Radio play

2013

“Betont auf Welt.” Radio play, with students from the DLL and Prof. Michael Lentz. Bayerischer Rundfunk.

Public Readings – As Invited Author

Mar 2023

Reading Stage Pinzette vs. Kneifzange. Read from “Kneipenreporte” (literary column). Beyerhaus, Leipzig.

Jun 2022

Reading Stage Der Durstige Pegasus. Read “Momentaufnahmen” (short prose). Moritzbastei, Leipzig.

Jun 2022

Reading Stage lax & lux. Read “Momentaufnahmen” (short prose). Café Lux, Leipzig.

Sep 2018

Group reading of the Free Literary Society. Read “Schwarzer Schnee” and “Leuchtendes Korall” (short stories). Basislager, Leipzig.

May 2016

25th Saxon Literary Spring. Read poems and prose. Veränderbar, Dresden.

Apr 2015

24th Saxon Literary Spring. Read “Der verlorene Sohn” (short story). hinZundkunZ, Leipzig.

Sep 2015

Reading Stage Stubenreim. Read from a novel-in-progress. Leipzig.

Aug 2014

Scholarship recipient, International Summer Campus in the Artists’ Town of Kalbe, with a concluding reading. Kalbe.

Jul 2014

‘Literarischer Spaziergang’ for the Augsburg Peace Festival. Read “Die Verfehlung” (short story) (in a prison chapel, about a murderer trying to find his way back into society). Augsburg.

Oct 2013

Reading for the 17th Literary Autumn, “Young Literary Craft of Hand and Mind.” Read “Die Schwimmlehrerin” (short story). hinZundkunZ, Leipzig.

Feb 2012

Reading tour for the award ceremony of the 2nd Ruhr Area Literary Competition. Read “Umwege” (short story), read aloud by Till Brinkmann. Bibliothek des Ruhrgebiets, Bochum.

Feb 2011

Reading Stage Hausdurchsuchung. Read “Rückstände” and “Trauerfeier” (short stories). Leipziger Messe.

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I still enjoy sharing and revising my literary work — if you'd like to read something, or know of a venue where I could present it, I'd love to hear from you.

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